Laut Vermarktungskonzept will die Stadt die Mieten für den öffentlich geförderten Wohnungsbau auf dem Albert-Schweitzer-Gelände auf maximal 8 Euro pro Quadratmeter deckeln. Nun bringt ein Anwohner nochmals ein Gegenkonzept ins Rennen. In einem offenen Brief an Baudezernentin Rita Hoff bittet er darum, erneut zu prüfen, ob nicht die Bestandsgebäude mit einem Wert von rund 1,1 Mio. Euro weiter genutzt werden könnten.

Im Gegensatz zu den derzeit von der Stadt präsentierten Planungen setzt das Konzept des Architekten Norbert Hansmann nicht auf möglichst viele Wohneinheiten, um die Preise für die

Erschließung und damit auch die Mietpriese niedrig zu halten. Es verspricht im Gegenteil mit biszu 60 neuen Wohneinheiten deutlich weniger Wohnraum als die aktuellen Pläne. Die neuen Wohnungen sollen dafür aber für jeden erschwinglich sein: Die Mieter sollen maximal 6 Euro pro Quadratmeter bezahlen.

Wie ist das möglich? In der Regel gilt doch, dass es Rabatte gibt, wenn wir möglichst viel kaufen? Auch die Stadtplaner, die das Maximalkonzept mit bis zu 145 Wohneinheiten präsentierten wollten die Erschließungskosten auf möglichst viele Haushalte verteilen. Nun hat sich der Rat jedoch längst für eine reduzierte Zahl von Wohneinheiten entschieden. Damit steigen die Erschließungskosten pro Kopf. Das könnte ein Problem für die derzeitige Planung werden.

Das Alternativkonzept von Hansmann setzt dagegen nicht auf den Mengenrabatt, sondern auf den Grundsatz der Substanzerhaltung. Hansmann will das Schulgebäude umgestalten und auf den Schulcontainerflächen neu bauen. Im Erdgeschoss sollen altengerechte Wohnungen entstehen, im Ober- und Dachgeschoss Familienwohnungen. Das spart nicht nur die Abrisskosten für die Schule, auch der alte Atombunker könnte bleiben. Wie teuer dessen Abriss werden wird, ist nach Ansicht von Hansmann noch gar nicht abzusehen. Statt teurer Tiefgaragen (Kosten rund 900.000 Euro) könnten unter anderem auf dem früheren Schulhof ausreichend oberirdische Stellplätze angeboten werden. Es geht also nicht darum die Erschließungskosten auf möglichst viele Schultern zu verteilen, sondern erst gar keine oder wenig Erschließungskosten zu verursachen.

Die Hildener Ortsgruppe des Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland unterstützt den Vorschlag, der übrigens keineswegs neu ist. Bereits bei der ersten Bürgeranhörung zur geplanten Bebauung wurde die Nachnutzung der Schulgebäude als Wohnung ins Gespräch gebracht. Das wurde jedoch von Verwaltungsseite nicht weiter verfolgt. Dabei würde nach Ansicht von Donner damit auch dem Wunsch des Seniorenbeirats entsprochen werden, mindestens 30% der Wohnungen als preiswerten Wohnraum anzubieten. Und für die Umweltschützer natürlich auch ein zentraler Pluspunkt des Planes: Alle Bäume könnten erhalten bleiben. Über die bis zu 60 Wohneinheiten in dem Mehrgenerationenkomplex hinaus sei zudem noch entlang der Lindenstraße reichlich Platz um weitere neue Wohneinheiten zu schaffen, die dann im höheren Preissegment angesiedelt sein dürften, finden die Umweltschützer.

Nun ist der Autor des Alternativkonzepts Anwohner des Geländes. Und Kritiker könnten seinen Vorschlag als Versuch werten, die eigenen Interessen zu wahren, indem die Bebauung auf dem Nachbargrundstück möglichst gering ausfällt. Ungeachtet dessen, ist Hansmann eine fachliche Expertise nicht abzusprechen. Vor seiner Pensionierung hat er sich 40 Jahre für das Land Nordrhein-Westfalen mit der Umnutzung und Sanierung von Gebäudebeständen beschäftigt. Hansmann präsentiert sein Konzept derzeit den Ratsfraktionen der Stadt Hilden. Wer Interesse an dem Gesamtkonzept hat, kann sich gern an Hildens Zukunft wenden. Wir leiten die Anfrage gern weiter. Die Pläne der Stadt, die am Mittwoch im Stadtentwicklungsausschuss diskutiert werden, können sie hier nachlesen.