Wie ein Gefängnis, wie ein Ghetto oder einfach nur furchtbar! Die Reaktionen auf die Fotomontagen, die der BUND Hilden und einige Anwohner am Wochenende den Spaziergängern am Bahnübergang Karnaper Straße präsentierten, waren fast durchweg negativ. Die Bilder sollten verdeutlichen, wie der Zugang zu den Feld- und Waldwegen jenseits der Bahn künftig aussehen könnte, wenn Stadt und Bauherr ihre Pläne für die Kleingärten und die ehemalige Sängerwiese umsetzen würden.

Dann nämlich würde dort eine Schallschutzmauer hochgezogen, um die neuen Anwohner vor dem Lärm der Güterzüge zu schützen. Die meisten reagierten geschockt. "Das sieht ja fast aus wie die Jugendstrafanstalt Simonshöfchen in Wuppertal-Vohwinkel", sagte etwa Volkmar Jung. Viele unterschrieben noch am Stand die vorbereiteten Einwendungen gegen das Bauvorhaben. "Wir haben über einhundert Einwendungen zusammenbekommen", berichtete BUND-Vorstandsmitglied Hildegard Donner nach dem zweiten Tag am Infostand. Ein großer Erfolg für die Gegner des Projekts. Allerdings habe ein Besucher den Aktivisten vorgeworfen, dass sie Lügen verbreiten würden, erzählte Sprecher Dieter Donner. Der Betreffende habe kritisiert, dass die Mauern auf der Fotomontage furchtbar aussähen. In Wirklichkeit sei dort eine begrünte Wand geplant, keine kahle Mauer.

Ob das die Kritiker besänftigen kann, ist jedoch zweifelhaft. Zumal die Bürger nicht nur die Schallschutzmauer ablehnten, sondern auch bezweifelten, dass das Gelände direkt an der Güterzugstrecke ein geeigneter Wohnort für Familien mit Kindern sei. So sagte eine Spaziergängerin, die von den Plänen für das Gebiet wenig begeistert war: "Wenn da schon die Bahn ist, dann kann man nicht hingehen und fünf Meter weiter Wohnhäuser bauen. Wenn da jetzt eine Fabrik wäre, die abends um fünf Uhr dicht macht und die Leute gehen nach Hause, wäre auch egal. Aber doch kein Wohngebiet, wo wahrscheinlich auch kinderreiche Familien hinziehen werden." Zwar räumten die Vertreter von BUND und die kundigen Anwohner gleich ein, dass die Rückwand der ersten Häuserreihe höchstens elf Meter an die Gleise heranrücken sollten, doch auch sie finden die Zulassung von Wohnbebauung dort unverantwortlich."Ich habe etwas dagegen, dass eine Stadt eine Planung macht, die dazu führt, dass möglicherweise auch Familien mit Kindern in dieses Baugebiet hereinziehen, wo dann gesundheitsgefährdende Lärmschäden auftreten können", sagte BUND-Ortsgruppensprecher Dieter Donner. Der geplante Lärmschutz ändere nichts an der bedenklichen Nähe zu den Gleisen. 

Nicht alle Spaziergänger lehnten die hohen Schallschutzwände ab. "Ich hätte gar nichts gegen etwas Lärmschutz", sagte einer der Standbesucher. Er wohne in der Nähe und würde sich freuen, weniger von der Bahn zu hören. Allerdings zweifeln die Kritiker des Bauvorhabens an einer deutlichen schalldämmenden Wirkung über die neue Siedlung hinaus. "Die Lärmschutzwand ist eine Stückelungswand. Sie deckt einen ganz kleinen Teil der Bahnstrecke durch den Hildener Süden ab", argumentierte Donner. Daher bleibe die Lärmbelästigung im Hildener Süden ungeändert hoch.

Doch selbst solche Passanten, die einer möglichen Verbesserung des Lärmschutzes etwas abgewinnen konnten, sprachen sich in der Mehrzahl gegen die Bebauung aus. Die meisten lehnten es schlicht ab, dass noch mehr Grün in Hilden für neue Baugebiete geopfert werden sollte. Während einige noch Verständnis dafür aufbrachten, dass die Eigentümer der Sängerwiese ihr Grundstück verwerten wollten, lehnte nahezu jeder Befragte ab, dass der öffentliche Weg entlang der Gleise in Richtung Süden geopfert werden sollte. Einige kamen regelrecht ins Schwärmen, wenn sie von der reichen Mirabellen- und Brombeerernte sprachen, die sie im Spätsommer auf den letzten Metern ihrer Joggingstrecke genossen. Damit werde auch ein Stück Hildener Geschichte verloren gehen, mahnte eine andere Besucherin. Auf dem Plangebiet des Bauvorhabens habe einst ein Bahnwärterhäuschen samt üppigem Garten gestanden. Noch bis zum 27.2.2015 können Bürger sich die Pläne im Bauamt anschauen und ihre Einwände dagegen vorbringen. Diese sollte in schriftlicher Form bis zum Ende der genannten Frist im Briefkasten des Rathauses landen. Der BUND hat Mustereinwendungen vorbereitet, die zum Download bereit stehen.