Bei einem Blick in die Hochwassergefahrenkarte für den Garather Mühlenbach scheint klar: Auf der alten Sängerwiese an der Güterzugstrecke im Hildener Süden sollte nicht gebaut werden. Dennoch hat der Stadtentwicklungsausschuss am 26.11.2014 entschieden, die Pläne für die Bebauung des Geländes offenzulegen. Das wird auch geschehen, wenn der Stadtrat in der nächsten Sitzung zustimmt. Wie passt das zusammen?

Die einfache Antwort: Die Hochwassergefahr ist nach Ansicht der Verwaltung nicht belegt. Aufgrund der Einwendungen der Träger öffentlicher Belange haben die Planungsamtsmitarbeiter selbst Nachforschungen angestellt und kommen in der Sitzungsvorlage zu dem Ergebnis: „Nach Auskunft der zuständigen Stelle beim Kreis Mettmann haben der Kreis und der Bergisch-Rheinische Wasserverband der Bezirksregierung Düsseldorf mitgeteilt, dass die Karten auf dem jetzigen Stand nicht richtig seien und dass die Gebiete höher liegen. Die Karten sind also nicht plausibel. Mit den jetzigen Hochwassergefahrenkarten sollte man also nicht arbeiten.“

Hildens Zukunft hat bei der Bezirksregierung nachgefragt. Dort bestätigte der zuständige Mitarbeiter, Sebastian Trzeciak, dass die Flächen im Gebiet des Garather Mühlenbaches noch einmal überarbeitet werden. Anfang 2015 sind Ergebnisse zu erwarten. Die Frage, ob es fraglich sei, dass Überschwemmungsgebiete ausgewiesen würden, verneinte Trzeciak: „Die werden mit Sicherheit ausgewiesen.“ Bevor die Kritiker jedoch zu früh jubeln, sei einschränkend gesagt: Ob das fragliche Baugebiet davon betroffen sein wird, „ist definitiv nicht klar.“

Klar ist nur, wenn an der Stelle ein Überschwemmungsgebiet ausgewiesen werden sollte, wäre das Bauprojekt wohl vom Tisch. Denn grundsätzlich ist Bauen in Überschwemmungsgebieten verboten, auch wenn Ausnahmegenehmigungen erteilt werden können.

Bleiben die Bedenken der Anwohner, dass der Boden nicht die geeignete Beschaffenheit ausweise, um das Dachflächenwasser der dort geplanten Häuser besonders bei stärkerem Regen versickern zu lassen. Ein Gutachten von 2013 hatte dem Bauprojekt grünes Licht gegeben. Doch laut einer Stellungnahme von Birgit Wienert, einer Bauingenieurin im Bereich Wasserwirtschaft, gibt es an dem Gutachten durchaus an ein paar Stellen etwas auszusetzen. So habe der Gutachter den aktuellen Grundwasserstand im Oktober gemessen und damit im Monat mit den erfahrungsgemäß niedrigsten Grundwasserständen. Die Grundwasserneubildung starte in der Regel erst Ende des Jahres. Darüber hinaus schwankten Grundwasserstände über das Jahr hinweg stärker als etwa im Jahresvergleich, so dass Jahresmittelwerte nur eine Aussage über die zeitliche Entwicklung zulassen. Diese beiden Aspekte (Messung im Monat mit dem niedrigsten Grundwasserstand und Bezug auf Jahresmittelwerte) seien hinsichtlich der Beurteilung von Grundwasserhöchstständen trügerisch, so Wienert.

Zudem äußerte die Expertin Bedauern darüber, dass die Durchlässigkeitswerte erst ab einer Tiefe von einem Meter unter Geländeniveau ermittelt wurden. „Ob ein Boden Niederschlagswasser durchlässt, ist insbesondere auch von der obersten Bodenschicht abhängig - eine reine Durchsicht der Bohrprofile, lässt keine Schlüsse über Durchlässigkeitswerte zu. Dazu könnten dann auch Beobachtungen vor Ort nach längeren oder intensiveren Niederschlagsereignissen zählen, die diesbezüglich auf entgegengesetzte Folgerungen der Durchlässigkeit schließen lassen.“ Die Fachfrau räumte ein, dass die vorliegenden Durchlässigkeitswerte im untersuchten tieferen Bereich durchaus die Schlussfolgerung auf einen ausreichend versickerungsfähigen Boden in der Tiefe schließen lassen. Dennoch sei die Untersuchung der obersten Schicht unabdingbar.

Der Rat wird voraussichtlich in seiner Sitzung am 17. Dezember um 17 Uhr im Bürgerhaus über die Offenlage entscheiden. Bis dahin werden jedoch noch keine neuen Daten zur Hochwassergefahr vorliegen. So viel ist sicher.