Weniger eine inhaltliche Frage, als eine Frage des politischen Stils hat die Sitzungsvorlage zum geplanten Baugebiet an der Karnaper Straße aufgeworfen. Die Verwaltung hatte in der Vorlage auch die Einwendungen behandelt, die von Trägern öffentlicher Belange und betroffenen Anwohnern eingebracht worden waren. Eine Anwohnerin glaubte ihren Augen kaum, als sie Antwort auf ihre Bedenken zur Versickerungsfähigkeit des Bodens las: Dort wurden schwarz auf weiß und unter Nennung ihres Namens ihre Mathematikkenntnisse in Zweifel gezogen. Das merkte sie dann auch in einem Brief an die Bürgermeisterin an. Die Antwort war: Das seien ja nicht die Worte der Verwaltung, sondern die des Gutachters. Und man könne doch nicht im Nachhinein den Text eines Gutachters verändern. Das sicher nicht. Die Frage ist aber doch: Muss man ihn wörtlich abdrucken? Schließlich waren die Fragen der Anwohnerin nicht an den Gutachter gerichtet sondern an die Stadtverwaltung. Entsprechend empört zeigt sich BUND-Sprecher Dieter Donner, der dem Ausschuss auch beiwohnte: „Das finde ich unmöglich, wenn sich der Stadt nicht als objektiver Anwalt empfindet. Aufgabe der Stadt wäre es, das Gutachten selbst zu bewerten und nicht die Meinung des Gutachters durchzureichen.“

Der Kritik am Gutachten eine Erwiderung des Verfassers gegenüber zu stellen, ist durchaus berechtigt. Doch sollte die Stadt in Zukunft mehr Sorgfalt walten lassen. Es ist eben extrem wichtig abzuwägen, was wörtlich zitiert und was sinngemäß wiedergegeben wird. Wenn die Verfasser der Sitzungsvorlage das Gutachten für fehlerlos halten, hätten sie das auch anders transportieren können. Etwa, indem sie die Argumente des Gutachters indirekt wiedergeben. Dann wären die persönlichen Angriffe gegen die vermeintliche mathematische Schwäche der Anwohnerin ganz elegant unter den Tisch gefallen, ohne inhaltliche Einbußen. Beim nächsten Mal vielleicht.